Rechte und Pflichten von Turnusärzt:innen
im Rahmen der Ausbildung zur/zum Turnusärzt:in ist die Kenntnis der eigenen Rechte und Pflichten wesentlich – sowohl für die persönliche Sicherheit als auch für die Patientensicherheit.
Die rechtlichen Grundlagen finden sich insbesondere im Ärztegesetz 1998 (ÄrzteG) sowie in der Ärztinnen-/Ärzte-Ausbildungsordnung 2015 (ÄAO).
Grundprinzipien
Turnusärzt:innen sind gemäß § 3 Abs 3 ÄrzteG zur ärztlichen Berufsausübung berechtigt, jedoch unter Anleitung und Aufsicht einer/eines Fachärzt:in. Ziel ist die schrittweise Erweiterung der Eigenverantwortung im Rahmen der Ausbildungsziele nach der ÄAO 2015.
Was ist erlaubt?
- Selbstständige Durchführung von Tätigkeiten, die ausreichend erlernt und durch die/den Ausbildner:in freigegeben wurden (z. B. Anamnese, Basisuntersuchungen, Blutabnahmen, einfache Wundversorgung).
- Dokumentationstätigkeiten (Krankengeschichte, Befunde, Arztbriefe), wobei die Endverantwortung bei der/beim Ausbildner:in liegt.
- Teilnahme an Visiten, Besprechungen und Fortbildungen zur Vertiefung der klinischen Routine.
Wo ist Vorsicht geboten?
- Diagnostische und therapeutische Entscheidungen mit hohem Risiko (z.B. OP-Indikation, invasive Eingriffe, Anordnung hochwirksamer Medikamente) dürfen nicht ohne Rücksprache erfolgen.
- Aufklärungsgespräche über wesentliche Eingriffe und Risiken sind der/dem Fachärzt:in vorbehalten.
- Ausstellen von Gutachten oder rechtlich relevanten Bescheinigungen ist ausschließlich voll ausgebildeten Ärzt:innen erlaubt.
- Unterschrift und Freigabe von Arztbriefen/Befunden liegen grundsätzlich bei der/beim Fachärzt:in, auch wenn die/der Turnusärzt:in den Entwurf erstellt.
Haftung und Verantwortung
- Grundsatz der Aufsicht: Nach § 3 Abs 3 ÄrzteG dürfen Turnusärzt:innen ärztliche Tätigkeiten nur unter Anleitung und Aufsicht ausführen. Die Letztverantwortung liegt daher bei der/beim Fachärzt:in bzw. Ausbildner:in.
- Eigenverantwortung: Für Tätigkeiten, die die/der Turnusärzt:in bereits sicher beherrscht und die ihr/ihm ausdrücklich übertragen wurden, besteht eine Mitverantwortung im Rahmen der Sorgfaltspflicht.
- Kompetenzüberschreitung: Handelt eine/ein Turnusärzt:in eigenmächtig ohne Rücksprache bei nicht freigegebenen Tätigkeiten, kann sie/er selbst haftbar werden.
- Dienstgeberhaftung: Primär haftet der Krankenhausträger für Fehler seiner Bediensteten
- Bei jeder Unsicherheit gilt rechtlich wie praktisch: Supervision einfordern.
Empfohlenes Vorgehen
- Im Falle von Zwischenfällen oder Unsicherheiten ist in erster Linie stets die/der Dienstgeber:in zu informieren, entweder über die unmittelbare vorgesetzte Person oder direkt an die Direktion.
- Vorfälle sollten zu Beweiszwecken unbedingt schriftlich dokumentiert werden (z. B. Gedächtnisprotokoll, Aktennotiz).
- Klare Kommunikation im Team, um Patientensicherheit zu gewährleisten und Wiederholungen zu vermeiden.
- Nachbesprechung mit der/dem Ausbildner:in, um aus dem Vorfall zu lernen und die Ausbildung gezielt weiterzuentwickeln.
Ihre Rechte
- Anspruch auf strukturierte Ausbildung entsprechend ÄAO 2015.
- Recht auf Anleitung, Supervision und Feedback.
- Meldung von Missständen (z.B. Überlastung, fehlende Supervision).
- Möglichkeit, bei Konflikten im Ausbildungsbetrieb Unterstützung durch die Ärztekammer oder Betriebsrat einzuholen.